29. Oktober 2008

Weitere Eindrücke von neuen Spielen der Spiel 2008

Neues Spiel, neues Glück. Nach den ersten Eindrücken der ersten zwei Tage ging es am Samstag und Sonntag weiter durch die Hallen. Meinem Empfinden nach war es am Samstag "messefüllstandstechnisch" sogar noch einigermaßen auszuhalten. Wenn man es geschafft hatte, so kurz vor Mittag einen Spieltisch irgendwo bei einem interessanten Verlag zu ergattern und dann die schlimmen Stunden (bis ca. 15.oo Uhr) dort spielend zu verbringen, war das Schlimmste überstanden. Ich hatte das Gefühl, dass es dieses Jahr mal wieder leerer war als die Jahre zuvor. Vielleicht bin ich auch nur ein wenig dünner geworden und komme besser durch die Ritzen in den Menschenmassen, aber das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Zumindest nicht mit Taschen und Beuteln voller Spiele bepackt.

Auch wenn es also dieses Jahr scheinbar nicht so nötig war, ist Samstag wegen der Menschenmassen an den Spieltischen mein Haupteinkaufstag. Ich klappere meine Vorbestellungen ab und kaufe evtl. Dinge, die ich an den beiden Tagen vorher schon in Augenschein nehmen konnte. Das hat sich die letzten Jahre bewährt und meistens sind auch noch alle Spiele, die ich haben will, vorrätig... wer braucht schon "Duck Dealer"?

Am Sonntag lasse ich dann die Messe genüsslich ausklingen. Dieses Jahr durch die Zeitumstellung auch noch mit einer weiteren Stunde Nachtschlaf versüßt, schlendere ich ruhig durch die Hallen, probiere noch das eine oder andere Spiel aus ... ok, nicht wirklich. Sonntag wird's nochmal so richtig stressig, wenn ich sehe, wie wenig von den "unbedingt ausprobieren" Spielen ich noch nicht geschafft habe. Kurze Panikattacken, von einer Halle in die andere hechten und zwischendurch immer mal wieder beim Fairplayscout vorbeischauen, vielleicht hab ich ja doch noch was verpasst. Ich LIEBE die Messe ;-)

Aus diesem Grund kann ich Euch noch ein paar weitere kurze Eindrücke geben:

  • Bei Winning Moves haben wir eine Partie "Hab & Gut" von Carlo A. Rossi gespielt und waren absolut not amused. Keiner war wirklich überzeugt und die Mehrheit der (zugegeben 5) Spieler meinte sogar, dass man DAS ja nun wirklich nicht braucht.
    Der Mechanismus mit dem Auswählen der Karten aus dem linken und rechten Satz ist vielleicht ganz nett, trägt aber kein komplettes Spiel. Übrig bleibt ansonsten nur eine Variante vom alten Börsenspiel. Und das ist einfach zu wenig.
  • Im Gegensatz dazu hat mir "... aber bitte mit Sahne" von Jeffrey D. Allers, ebenfalls erschienen bei Winning Moves, richtig gut gefallen. Ein netter Absacker, sozusagen als Dessert für den Spieleabend mit einem neuen Thema. Der "Du teilst - Ich such aus" Mechanismus wird auch bei uns am Küchentisch immer wieder gespielt und ist daher tief in meiner Spielerseele verankert. Dass "... aber bitte mit Sahne" jedoch mit genau 11 Stücken pro Kuchen arbeitet, ist wirklich fies. Für keine Spielerzahl ist also eine gleichmäßige Verteilung möglich, da prim. Eine hübsche Zwickmühle mit schnellen und kurzen Entscheidungen.
  • Bei Amigo haben wir eine Partie "Herr der Ziegen" gespielt. Hier hat Günter Burkhardt seine Grundidee aus "Kupferkessel & Co." aus dem Jahr 2001 (erschienen bei Goldsieber) wiederverwendet, das Spiel auf bis zu fünf Spieler aufgemotzt und eine neue Graphik gestiftet bekommen. Für meine Begriffe wird das Spiel dadurch jedoch unübersichtlicher. Die ganzen unterschiedlichen Ziegen sehen zwar sehr nett aus und sind auch (mindestens im ersten Spiel) witzig, aber immer im Auge zu behalten, wer jetzt gerade wo die Mehrheit hat und welche Ziegen beim Aufdecken sofort markiert werden müssen, stellte schon einige Ansprüche an mein mittlerweile wabbeliges Hirn. Dennoch ein nettes Spiel für Zwischendurch.
  • Leider habe ich es nicht geschafft, für "Byzanz" von Emanuele Ornella (ebenfalls Amigo) irgendwo einen Tisch zu finden. Das hätte ich gerne noch ausprobiert, aber ich glaube, das wird in den nächsten Wochen einfach mal ein Blindkauf. Bislang hat mir eigentlich alles von ihm sehr gut gefallen (am Besten bislang "Oltremare - Merchants of Venice" erschienen bei Mind the Move).
  • Am Sonntagabend haben wir zu Hause beim abschließenden Spieleabend dann auch noch "Snow Tails" von Gordon und Fraser Lamont erschienen bei Fragor Games auf den Tisch bekommen. Wir haben zwar nur den ersten vorgeschlagenen Anfängerkurs gespielt, aber das Steuern des Schlittens über zwei Hundekarten und eine Bremskarte hat mich ausgesprochen fasziniert. Besonders witzig empfand ich es zudem, dass ich mit meinen überlegenen Formula Dé-Kenntnissen ("Innenbahn GUUUUHHHT weil kürzester Weg durch die Kurven!") komplett in die Schneewehen gefahren bin. In "Snow Tails" möchte man scheinbar, so mein erster Eindruck nach einer verlorenen Partie, die vielleicht etwas längere, dafür aber gerade Außenbahn in den Kurven benutzen. Erstens hat man dann eher einen ausgeglichenen Schlitten und kann Bonusbewegungen nutzen und zweitens hat man weniger Probleme, sein Gespann wieder aus dem Drift herauszuziehen. Eine interessante Erfahrung. Dieses Spiel wird es, nach dem halb-enttäuschenden "Antler Island" vom letzten Jahr (niedliche Figuren aber eher schwaches Spiel) sicherlich noch oft aus dem Regal heraus schaffen.
  • Das Highlight der zweiten Messehälfte für mich war jedoch ganz eindeutig "Dominion" von Donald X. Vaccarino, erschienen bei Hans im Glück. Das Spiel wurde vor der Messe vor allem aus den USA sehr hoch gelobt. Manch genervter Leser sprach gar von "Hype". (He, ein neuer Eintrag für meine Spielerterminologie! ... schnell mal eine Notiz machen.)
    Ich bin der Meinung, dass die ganze positive Vorberichterstattung zunächst einmal gerechtfertigt war. Das Spiel ist wirklich herausragend. Nicht nur wegen der knapp 500 Karten in der Schachtel, sondern vor allem wegen der neuen Mechanismen. Auf die Idee, den langweiligsten und leider überhaupt nicht interaktiven Teil der Sammelkartenspiele, nämlich die Deckkonstruktion, in den Spielablauf zu integrieren und dadurch um den Aspekt der Mitspieler, die mit einem um die besten Karten konkurrieren zu ergänzen, muss man erst einmal kommen! Selbst mit dem vermeintlich wenig interaktiven Basissatz an Königreichkarten (die von der Spielregel für die erste Partie vorgeschlagen werden) kommt damit eine kribbelnde Spannung auf, die Lust auf mehr macht.
    Mittlerweile habe ich, angefixt aber dadurch gehandicapt, dass meine Frau und Hauptspielpartnerin auf Dienstreise war, sogar die Brettspielwelt für mich wieder entdeckt. Kann man doch dort ein paar schnelle Partien Dominion zwischendurch spielen. Aber: Die Onlineversion kommt mit dem Original nur bedingt mit. Interessanterweise empfinde ich gerade die Dinge, die der Computer einem online abnimmt, also das Nachziehen, das regelmäßige Mischen des eigenen Decks und das Zusammenrechnen der eigenen Aktionen und Geldkarten als besonders atmosphärefördernd. Wenn ich meinen Ablagestapel aufnehme und anfange zu mischen, dann weiß ich, dass ich die ganzen wunderschönen neuen Karten, die ich gerade im vorigen Durchgang gekauft habe, nun direkt ziehen kann. Die Spannung steigert das auf jeden Fall. Bei der Onlineversion erscheint es mir fast ein wenig zufällig. Der Computer mischt meine Karten, ohne mich großartig darüber zu informieren. Hier fehlt mir irgendwie was. Vielleicht sogar nur die kurze Reflektion zwischen den Durchgängen meines Decks, was sich nun geändert hat, welche Karten mich nun erwarten.
    Also zumindest im Moment spiele ich "Dominion" lieber am Tisch, auch wenn es ein wenig länger dauert.
Neben diesen ersten Eindrücken tummeln sich jetzt noch ein paar weitere Spiele auf meinem Tisch und in meinen Taschen, bei denen ich noch nicht zum Spielen gekommen bin, die ich also (mal wieder) ungetestet gekauft habe. Böser Olav!
  • "Sylla" von Dominique Erhard, erschienen bei Ystari: Das Spiel hatte ich in der Deluxe-Edition (mit den hübschen silbernen Metallmünzen) vorbestellt und warte nun sehnsüchtig auf die erste Partie. Die Regeln lesen sich ganz hervorragend und ich verspreche mir viel davon.
  • "After the Flood" von Martin Wallace, erschienen bei Treefrog: Schon "Tinners' Trail" hat mir sehr viel Spaß gemacht, also konnte ich am neuen Spiel von Martins Treefrog Line natürlich nicht vorbeigehen. Ein Spiel, das ausschließlich zu dritt spielbar ist, ist dazu noch relativ selten.
  • "Le Havre" von Uwe Rosenberg, erschienen bei Lookout: Hat das irgendjemand nicht gekauft? Ich glaube nicht. Den Schlangen vor dem Lookout Stand bin ich zwar entgangen (man hört von Wartezeiten um die 45 Minuten!) und bekam sofort meine gewünschten Goodies und Spiele, aber gespielt hab ich es leider noch nicht. Ich habe es sogar noch nicht einmal ausgepackt! Wird Zeit, dass Wochenende wird.
  • "Ghost Stories" von Antoine Bauza, erschienen bei Repos: Hier hat mich, ich gebe es offen zu, die Graphik und der kooperative Charakter überrannt. Generell waren kooperative Spiele dieses Jahr ja sowieso endlich mal der Renner. Ich mag diese Form der Spannung gegen das Spiel einfach. (Dazu schreibe ich bestimmt auch noch was.)
  • "Krakow 1325 A.D." von Peter Struijf, erschienen bei Geode: Nachdem uns Peter am Samstag das Spiel noch kurz zwischen Tür und Angel sehr euphorisch und persönlich erklärt hat (leider war kein Platz zum Spielen), hab ich es prompt mitgenommen. Jetzt weiß ich, dass der Autor mal als Manager in Indonesien gearbeitet hat und seine damaligen Kollegen das Spiel auch gut fanden und Peter und sein Graphiker sich schicksalhaft genau zur richtigen Zeit getroffen haben. Keine Information, die man für eine Kaufentscheidung braucht, aber lustig, wenn auf der sonst hektischen Messe auch mal Raum für solche Details bleibt.
  • ... und noch ein paar weitere. Mal sehen, zu welchen davon ich noch was schreiben werde in den nächsten Wochen.
Die liegen da jetzt erstmal rum. Dummerweise muss ich nämlich diese Woche schon wieder arbeiten und habe nicht die Zeit zum Spielen, die ich mir wünschen würde. Aber das Wochenende naht. Da werden sicherlich ein paar weitere Impressionen auftauchen.


Fazit: Das Jahr 2008 neigt sich seinem Ende entgegen. Nur noch zwei lausig kalte Monate mit diesem komischen Weihnachtsfest am Ende. Aber das Spielejahr ist mit der Schließung der Messetore vorbei. Es hat gut geendet - hervorragend sogar. Sehr viel besser als ich noch nach Nürnberg im Frühjahr hoffen konnte, von wo mich nahezu nichts wirklich umgehauen hat. Essen 2008 war mal wieder eine wundervolle Erfahrung mit vielen spannenden Neuheiten und ein paar herausragenden Spielen.

Es gibt sicherlich noch eine Menge Spiele, die ich in der Kürze der Zeit weder spielen noch überhaupt nur anschauen konnte. Daher wird es mir in den nächsten Monaten bestimmt nicht langweilig werden. Aber in unserer schnelllebigen Zeit sind die Spiele von gestern ja leider fast schon wieder vergessen. Ich befürchte fast, dass das meiste von dem, was ich jetzt noch nicht im Regal habe, auch nicht mehr dort landen wird. Ob ich bspw. irgendwann noch ein "Die Prinzen von Maccu Pichu" spiele oder kaufe? Ob "Planet Steam" sich noch zu mir verirrt? Und was ist mit "Duck Dealer"? Ich weiß es noch nicht, aber ich bin sehr gespannt.

Dessen ungeachtet bin ich aber nicht der Meinung, dass die Messe zu groß ist oder die Verlage zu viel Neuheiten auf den Markt werfen. Ich kann gut damit leben, ab und zu vielleicht einmal eine Perle zu verpassen, so lange sichergestellt ist, dass ich immer was zu spielen habe. Wirkliche Perlen finden den Weg schon irgendwann zu mir. Und seien wir mal ehrlich, ich kaufe auch so schon zu viel. Aber sagt das nicht meiner Frau.

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