27. Oktober 2008

Erste Eindrücke, erste Enttäuschungen, erste Überraschungen

Puh. Das war wieder anstrengend. Vier Tage Essen, vier Tage Spielen, vier Tage Spaß. Wenn mich mein kleines schlaues Büchlein nicht täuscht, dann habe ich in den vergangenen vier Tagen 30 unterschiedliche Spiele gespielt. Das heißt 30 Regeln gelesen oder gelernt und 30 erste Eindrücke gesammelt. Ich hatte einen RIESENSpaß.

Da ich aber gar nicht so egoistisch bin, wie manche Leute ab und an mal wieder behaupten, möchte ich Euch an meinen Eindrücken natürlich ein wenig teilhaben lassen. Ich weise explizit darauf hin, dass die meisten der folgenden Gedanken nach höchstens einer einzigen Partie des entsprechenden Spiels entstanden sind. Ich hatte leider noch nicht genügend Zeit, alles vier bis fünf Mal zu spielen. Tut mir schrecklich leid ;-) Aber trotzdem:

  • Wir haben am Donnerstag am Stand von Ravensburger angefangen und uns erst einmal ein "Diamonds Club" von Rüdiger Dorn geschnappt. Auf den ersten Blick eine etwas abgespeckte und familienfreundlichere Version von "Goa" (Markt in der Mitte, nur noch drei Entwicklungsleisten, ...) hat das Spiel doch ein paar Überraschungen zu bieten. So gefällt mir bspw. der Angebotsmechanismus für den Markt besser als so manche Versteigerungsvariante in anderen Spielen. Die Gestaltung der einzelnen Gärten/Parks mit ihren Parzellen ist zwar etwas schlicht geraten, aber das Spiel hat uns allen richtig Spaß gemacht. Ein guter Auftakt.
  • Im Gegensatz dazu hat uns "Der Name der Rose" von Stefan Feld (ebenfalls erschienen bei Ravensburger) nicht gefallen. "Ein aufgemotztes 'Heimlich & Co'" war die nahezu einhellige Meinung. Man versucht den eigenen Mönch möglichst unverdächtig zu halten und die anderen Spieler möglichst lange im Unklaren zu lassen, wen man protegiert. Alles schon mal da gewesen. Sogar die Bonuspunkte am Spielende, wenn man raten darf, wer denn nun welche Spielerfarbe hatte, wurde von Wolfgang Kramers Spiel aus dem Jahre 1986 übernommen. Schade.
  • Weiter ging es zu Queen Games. Nachdem ich letztes Jahr kein "Wabash Cannonball" abbekommen hatte (Na gut, seien wir ehrlich, das Auge spielt auch mit. Ich wollte einfach keines!), war ich gespannt auf "Chicago Express" von Harry Wu, dem großen Herbstspiel bei Queen. Und ich muss sagen, das Warten hat sich gelohnt. Ein funktionaler und dennoch hübscher Spielplan, der im Vergleich zum Original tatsächlich keinen Augenkrebs verursacht. Die Mechanismen und Regeln waren mir zum Glück nicht neu, aber die Probepartie hab ich dennoch so richtig und komplett als letzter abgeschlossen. Ich hätte mich daran erinnern sollen, dass Aktien nur am Ende nichts mehr wert sind, während des Spiels aber durchaus ihren Nutzen haben. Damit mir das nicht noch einmal passiert, habe ich mir ein Exemplar zum Trainieren mit nach Hause genommen. 
  • Am großen Gemeinschaftsstand des Britischen Empire in Halle 5 haben wir "Confucius" von Alan Paull (erschienen bei Suprised Stare Games) und "Monastery" von den Ragnar Brothers anspielen können. Letzteres ist zwar nicht mehr brandneu, aber mir war es bislang noch nicht möglich, einen genaueren Blick zu werfen. Es hat sich gelohnt. Wer ein verzwicktes Plättchenlegespiel mit sehr angenehmer Spieltiefe und wunderschönen Ideen sucht, der darf an "Monastery" nicht vorbeigehen. "Confucius" wiederum darf man aus vollkommen anderen Gründen nicht ignorieren. Dieses Spiel fesselt einfach von der ersten Minute an. Die interessante Idee, sich die Gunst seiner Mitspieler (und des Kaisers) durch Geschenke erkaufen zu müsen, die sehr geschickte Verknüpfung dieser Geschenke mit den Abstimmung in den verschiedenen Ministerien am Hofe und der Anzahl der zur Verfügung stehenden Aktionen haben mich noch den restlichen Tag über das Spiel nachdenken lassen. Nur zur Sicherheit: Das ist ein sehr gutes Zeichen. Ich denke eigentlich sehr gerne über Spiele nach. Leider haben wir im Messerummel nur knapp ein Drittel einer Partie geschafft, aber das wird sicherlich bald korrigiert.
  • Bei Fantasy Flight Games/Heidelberger in Halle 9 hab ich es weder geschafft ein "Battlestar Galactica" von Corey Konieczka zu bekommen, noch das Ding überhaupt mal zu spielen! Nur ein paar schüchterne Blicke auf die einzige (?) verfügbare Demoversion war mir gegönnt.
    Dafür haben wir eine Partie "A Touch of Evil" von Jason Hill, erschienen bei Flying Frog Productions zu sechst gespielt. ... hm ... nun ja, es war nicht so toll. Die Tatsache, dass man jede Runde die Bewegungsweite seiner Figur mit einem W6 bestimmt und bei ner gewürfelten 1 zusätzlich noch eine Ereigniskarte ziehen muss, hätte mich hellhörig werden lassen sollen. So haben wir uns knappe 2 Stunden (man steht einfach nicht auf, wenn andere das Spiel zu Ende spielen wollen...) durch die Pampa geschlagen und schließlich den Headless Horseman einen weiteren Kopf kürzer gemacht. Abgesehen von den sehr schönen Spielmaterialen hat das Spiel leider nichts, was mich nach einer weiteren Partie ausschau halten lässt.
  • Ganz im Gegensatz zu "Space Alert" von Vlaada Chvátil, erschienen bei Czech Games Editions. Der Autor von "Through the Ages" (erschienen 2006 bei Czech Board Games) hat hiermit meiner Meinung nach neuerliches ein ganz großes Spiel gelandet. Kooperative Spiele sind ein Steckenpferd von mir. Jedes Spiel dieses Genres muss sich in meinen Augen mit dem Platzhirsch "Der Herr der Ringe" von Reiner Knizia erschienen bei Kosmos messen. "Space Alert" sieht in diesem Vergleich zunächst einmal ziemlich gut aus. Einerseits verringert es das einzige wirkliche Problem, das kooperative Spiele der letzten Jahre hatten, nämlich die Gefahr, dass ein Mitspieler dominant das Spiel in die Hand nimmt und alles diktiert, indem der Zeitdruck und der Stress als weiteres Element hinzugenommen wird. Andererseits bringt es interessante und neue Mechanismen wie die "Programmierung" eines Zuges a la "Robo Rally" ein. Der erste Eindruck ist zumindest schon einmal ausgezeichnet. Meiner Meinung nach eines der beiden Messe Highlights auf meiner Liste.
So, das waren die wichtigsten Eindrücke der ersten zwei Tage. In Kürze geht es dann weiter mit den ersten Gedanken zu den Spielen von Samstag und Sonntag.

1 Kommentar:

  1. Sehr schöne Zusammenfassung deiner Erlebnisse, die einen guten Eindruck in die von die gespielten Spiele gewährt.

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