5. Oktober 2007

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Weniger als zwei Wochen noch! Dann öffnet die Messe endlich wieder ihre Pforten für Tausende spielebegeisterte Menschen aus dem In- und Ausland. Essen wird zum Nabel der Welt und ich bin für eine Woche komplett unerreichbar für alles, was nicht direkt mit Spielen zu tun hat. Eine tolle Zeit. Ich freu mich drauf. Darum sind die Wochen direkt vor der Messe, jährlich so ab dem 1. Oktober, meine Adventszeit (von lat.: adventus, Ankunft).

Den guten Vorsatz des letzten Jahres, dieses Mal ein wenig "schlechter" vorbereitet in die Hallen zu stürzen werde ich nur bedingt einhalten können. Gerade in den letzten Tagen tauchen nahezu stündlich neue Spielregeldownloads auf, die ich wenigstens mal kurz anschaue, meistens lese und dann auf die "unbedingt ansehen" Liste setze.

Aber ich sollte vorne anfangen. Wie sieht meine persönliche Messevorbereitung aus? Das wichtigste ist vor allem Urlaub nehmen. In den letzten 20 (?) Jahren gab es für mich keinen Grund, nicht jeden der vier Tage in Essen zu sein. Da ich nun seit ein paar Jahren einer sog. geregelten Arbeit nachgehe und kein Langzeitstudent mehr bin, ergibt sich daraus die Notwendigkeit möglicht früh für die Woche der Spielemesse Urlaub anzumelden. Zum Glück habe ich meine Kollegen nun mittlerweile schon hinreichend erzogen, dass keine hochgezogenen Augenbrauen mehr vorkommen, wenn ich erzähle, dass ich eine Woche meines Lebens mit Brettspielen in überfüllten Hallen und stickiger Luft verbringen will ... sie verstehen es nicht, tolerieren diesen kleinen Charakterfehler jedoch.

Der zweite wichtige Punkt ist die Logistik der vier Tage. Da ich jedes Jahr mit einer kleinen Meute von Menschen auftrete, gehört natürlich auch ein zünftiger Spieleabend nach dem Schließen der Tore dazu. Das will vorbereitet werden. Für Spiele wird ja zum Glück hinreichend gesorgt, jedoch Nahrung, Getränke und zusätzliche Annehmlichkeiten müssen vorbereitet werden. Dazu wird kleines Konzept erstellt, an welchem der vier Tage bei wem gegessen wird und welche Vorbereitungen dazu getroffen werden müssen. Ich selbst (na gut, ich gebe es zu, meine liebreizende Verlobte) kochen selbst an zwei der vier Tage, wobei natürlich nur Gerichte in Frage kommen, die man vorbereiten kann und dann abends nur noch warm machen muss. Nudeln mit roter Soße, der Klassiker, ist jedes Jahr dabei. Eintöpfe, Suppen, wir hatten schon alles. In den drei Tagen vor der Messe gekocht, evtl. eingefroren und am Morgen vor dem Verlassen der Wohnung schnell zum Auftauen in den Kühlschrank. Die kulinarische Logistik haben wir im Griff.

Zuletzt (Zuletzt? Ha!) aber erfolgt natürlich die Vorbereitung auf die Spiele selbst. Dazu hat es sich in den letzten Jahren bewährt, die Neuheitenliste der Spielbox griffbereit (in den Bookmarks) zu haben. In diesem Jahr sind, da KMW von der Spielbox seine Arbeit an dieser Liste stark reduzieren musste, noch weitere interessante Vorschauen aufgetaucht. Unter anderem auf cliquenabend.de findet der geneigte Leser ausführliche Informationen, Bilder und erste Eindrücke zu vielen Neuheiten.

Aber da ist wieder mein Problem mit dem Übermaß an Informationen. Im letzten Jahr habe ich zum ersten Mal erlebt, dass man zu gut vorbereitet sein kann (ich berichtete). Ich war mit einer so großen Fülle an Wissen (und Vorurteilen) nach Essen gekommen, dass ich im Nachhinein feststellen musste, dass ich die wirklich guten Spiele gar nicht gespielt habe. Von diesen wusste ich sowieso schon, dass ich sie kaufen würde. Das hat meinen Eindruck der letzten Spielertage tatsächlich ein wenig getrübt. Darum verfolge ich dieses Jahr das Konzept des "Weniger ist Mehr!"

In diesem Jahr habe ich mich bislang bewußt gegen ein ausführliches Studium aller Neuheiten entschieden. Ich habe mich bewußt entschieden, Spiele nur in sehr begrenztem Maße vorzubestellen. Gut, die eine oder andere Regel drucke ich immer noch aus und lese sie abends vor dem Einschlafen, der Erklärbär will ja gefüttert werden, aber bei Weitem nicht in der Fülle wie im letzten Jahr. Ich erhoffe mir von diesem Vorgehen eine entspanntere und spannendere Messe. Ich werde selbstverständlich hier berichten, ob das erfolgreich war.

Dennoch, ein paar Spiele erzeugen auch jetzt schon einen dicken Flecken auf meinem Neuheiten-Radar:

  • "Galaxy Trucker" von Vlaada Chvatil wird bei Czech Games Editions erscheinen. Im letzten Jahr konnte mich Vlaada restlos (nach Anfangsschwierigkeiten) mit seinem "Through the Ages" überzeugen, in diesem Jahr erhoffe ich mir von seiner Neuheit ein völlig anderes, aber sehr witziges Spielgefühl. Wettrennen mit zusammengestückelten Raumschiffen, satirisch angehauchte (und sehr gut geschriebe) Regeln, ein wenig Echtzeit, ein wenig Strategie, es klingt nach einer Menge Spaß.
  • "Amyitis" von Cyril Demaegd, Ystari Games. Auf der letzten Messe konnte man (auf Nachfrage) am Stand von Ystari Games schon das zukünftige Cover bewundern, dieses Jahr kann man es dann auch endlich spielen. Die manigfaltigen Möglichkeiten, die die Regeln versprechen, lassen mich auf ein strategisch anspruchsvolles, abendfüllendes Spiel hoffen. ("Amyitis" ... wie spricht man das aus? Ich muss es hier zum Glück nur schreiben...)
  • "Perry Rhodan: Die kosmische Hanse" von Heinrich Glumpler wird bei Kosmos in der "2 Spieler"-Reihe erscheinen. Über dieses Spiel weiß ich nahezu nichts. Aber "Perry Rhodan"? Der Held meiner Kindheit wiedergeboren in einem Spiel von Heinrich Glumpler? Jederzeit und ohne mit der Wimper zu zucken. Zudem kann man nicht umhin einen deutschen Verlag, der ein Science Fiction Spiel auf den Markt bringt, zu unterstützen. Das sich hier zwei Giganten des deutschen Verlagswesens gefunden haben (Perry Rhodan ist bekanntlich die größte Weltraumserie der Welt) finde ich klasse. Ich hoffe, dass Kosmos dadurch eine Menge neuer Spieler begrüßen darf.
Ich freue mich auf die Messe. Diese vier Tage sind für mich mit die schönste Zeit des Jahres. Ich glaube, wir werden alle zusammen eine Menge Spaß haben.

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