29. Mai 2007

Spielerterminologie: Comeback-Spiel

In den letzten Wochen habe ich darüber nachgedacht, dass es mir vergleichsweise selten passiert, dass ich von einem Spiel zunächst überhaupt nicht begeistert bin, dies sich bei erneutem Spielen jedoch plötzlich ändert. Solche Spiele nenne ich Comeback-Spiele, weil sie, nachdem sie schon nahezu aussichtslos hinten gelegen haben, dennoch als Sieger durchs Ziel gehen.

Vermutlich passiert mir das nur "vergleichsweise selten", da ich gemein bin und vermeintlich schlechten Spielen nicht häufig eine zweite Chance gebe. Ich bin, wie schon mal erwähnt, ein Neuheiten-Junkie. Immerhin fallen mir aber dennoch ein paar Titel ein, die ich ohne Probleme in diese Kategorie einsortieren kann.

Da wäre vor allen anderen "Der Herr der Ringe" von Reiner Knizia, erschienen 2000 bei Kosmos. Wer mich heute kennt, mag es kaum glauben, zählt "Der Herr der Ringe" doch zu einem meiner Lieblingsspiele, aber als ich es im Oktober 2000 auf der Messe in Essen zum ersten Mal gespielt habe, ist es absolut und komplett durchgefallen. Vielleicht war die Kooperation damals nichts für uns, vielleicht war es am Sonntag, dem vierten Tag der Messe, einfach nicht der richtige Zeitpunkt ...

Vermutlich liegt es aber auch daran, dass die erste Partie persönlich ein ziemlicher Reinfall war. Wir hatten einen Mitspieler am Tisch, der der Idee der Kooperation nichts abgewinnen konnte und das Spiel sozusagen "austesten" wollte, ob es diesbezüglich stabil ist. Erkenntnis: Ja, das Spiel ist stabil gegen unkooperatives Vorgehen. Dann gewinnt halt einfach Sauron und die Hobbits verenden jämmerlich in Moria. Spaß macht es dadurch aber überhaupt keinen.

So habe ich zwei(!) Jahre gebraucht, bis ich mir das Spiel tatsächlich zugelegt und ihm eine zweite Chance zugestanden habe. Ich bin glücklich, dass ich das gemacht habe.


Weitere Comeback-Spiele in meinem Schrank sind "Bluff" von Richard Borg, erschienen bei F. X. Schmid und "Mississippi Queen" von Werner Hodel, erschienen bei Goldsieber. Beides Spiele, die den jeweiligen Verlagen den sehnlich erwünschten Pöppel und den Titel "Spiel des Jahres" einbrachten. Beides Spiele, die ich in meiner eher elitären "Bloß kein Glückselement und bitte nichts weniger komplexes als Republic of Rome"-Phase auf den Tisch bekam. Damals (in meiner naiven Spielerjungend) war ich noch der Überzeugung, dass das beste Spiel eines Jahrgangs durch den Pöppel auszuzeichnen sei und dementsprechend von den beiden Erlebnissen herbe enttäuscht.

Hier war das Problem also eine nicht erfüllte Erwartungshaltung. Dafür kann das Spiel natürlich nichts, aber das muss man als Spieler natürlich erst lernen. Mit meiner heutigen, erspielten Altersweisheit sehe ich, dass beide Titel im jeweiligen Jahr eine gute Wahl der Jury waren. Damals habe ich an der Welt gezweifelt und lieber noch eine Partie "Civilization" gespielt.

"Bluff" ist ein zeitloser Geniestreich, der eine ganze Anzahl von unterschiedlichen Fähigkeiten fordert. Unter Stress zu Bluffen (wer hätte das gedacht), ein gutes Pokerface, eine gehörige Portion Glück, taktisches Geschick und eine gute Einschätzung der Mitspieler sind hier unbedingt notwendig. "Mississippi Queen" hingegen ist einfach ein nettes Familienspiel, das ich, wenn ich drüber nachdenke, längst mal wieder spielen müsste.


Schließlich möchte ich noch "StreetSoccer" von Corné van Moorsel, erschienen 2002 bei Cwali erwähnen. Mit "StreetSoccer" bin ich zunächst überhaupt nicht warm geworden, weil die Regeln mir (wiederum) fast zu simpel waren. Darüber hinaus hatte es auch noch ein Fußball-Thema, womit man mich ziemlich sicher vom Tisch verjagen kann. Ausprobiert habe ich es dann zunächst online. Erst auf littlegolem.net und später in der BrettSpielWelt, wo ich mich im Laufe der Zeit davon überzeugen konnte, dass in dieser kleinen Schachtel viel mehr steckt als ein glücksabhängiges Herumkicken. Die taktischen Finessen, die ich ab und an immer noch entdecke, machen "StreetSoccer" zu einem guten Comeback-Spiel.



Noch kurz etwas technisches: Wie der geneigte Leser sicherlich bemerkt hat, gibt es seit ein paar Tagen unter meinem Kurzprofil auf der rechten Seite eine kleine Liste der Spiele, die ich als letztes auf dem Tisch hatte. Dieser überaus nützliche Service wird durch ein kleines JavaScript ermöglicht, das man als registrierter Benutzer auf dem BoardGameGeek bekommt. Dort trage ich regelmäßig in meinem Profil die gespielten Spiele ein und bewerte sie dann auch oft sofort auf der BGG-Skala von 1 bis 10.

Wenn Du also unter "Jüngst gespielt ..." keine Bildchen von Spielen siehst, dann trau Dich und schalte kurz mal JavaScript ein ... kein unbedingt notwendiges Feature, aber schön.

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