13. Mai 2007

Herner Spielewahnsinn 2007

An diesem Wochenende war der Terminkalender mal wieder richtig voll. Zum Glück wurde auch ein wenig gespielt und zwar in Herne. Wiederum habe ich mit ein paar Mitspielern die Gelegenheit genutzt, den Rucksack gepackt und den Zug ins Ruhrgebiet genommen, um auf diesem wirklich schönen und übersichtlichen Spielewochenende ein paar Bonusstunden Spaß zu erleben. Der Spielewahnsinn, der meistens so gegen Mitte Mai des Jahres ausgerichtet wird, liegt kalendarisch in einer ludophilen Trockenzeit. Die Messe in Nürnberg ist seit ein paar Wochen vorbei und so langsam kommen die ersten, dort vorgestellten Neuheiten auf den Spieltisch, Essen ist noch Monate in der Zukunft ... da kommt ein Nachmittag im Kulturzentrum gerade Recht.

Mir gefällt die Veranstaltung deswegen so gut, weil man dort einerseits viele Spiele ausprobieren kann, die gerade erst frisch vom Drucker kommen und teilweise noch nicht in der Auslieferung sind, andererseits aber auch Prototypen und Ideen präsentiert werden, um schon mal ein wenig Sehnsucht für den Herbst vorzubereiten. Was haben wir gespielt? Ein paar Kleinigkeiten, über die ich im Folgenden zwei oder drei Sätze verlieren möchte.


"Zanzibar" von Franz-Benno Delonge, erschienen bei Winning Moves

Unser erstes Spiel des Tages war diese kleine Neuerscheinung, die auf einer Insel im Indischen Ozean spielt. Jeder der 2 bis 5 Spieler versucht durch taktische Züge seiner bis zu 6 Spielfiguren seine bis zu zwei Aufträge pro Runde zu erfüllen, um möglichst viele Punkte zu bekommen. Die Spielfiguren haben dabei die interessante Fähigkeit kleinere, gegnerische Figuren ein Feld weit verdrängen zu können. Die Reichweite einer Figur nimmt dabei mit ihrer Größe stetig ab, so dass die schnellsten Läufer am häufigsten herumgeschubst werden. Die Aufträge werden zufällig aus einem persönlichen Zugstapel gezogen, so dass man niemals sicher sein kann, welche Position am Ende der nächsten Spielrunde anzustreben ist. Wir haben das Spiel zu dritt gespielt und keiner von uns war so richtig überzeugt. Einerseits sitzt man während der Züge der Mitspieler tatenlos herum, da es sich wirklich nicht lohnt, irgendetwas zu planen (bis ich wieder dran bin, hat sich die Situation auf dem Spielfeld grundlegend geändert), andererseits kann man in seinem Zug zwar ein wenig herumschubsen, es ist aber nicht wirklich absehbar, ob das den Gegnern jetzt wirklich schadet, oder vielleicht sogar hilft. Für die Möglichkeiten, die das Spiel bietet, hat es uns einfach zu lang gedauert und zu wenig Einflussmöglichkeiten geboten. Fazit: Kein Kauf.


"Jenseits von Theben" von Peter Prinz, erschienen bei Queen Games

Danach haben wir uns dem Stand von Queen Games zugewandt. Nachdem ich schon auf der letzten und vorletzten Spielemesse versucht hatte, eine Partie "Jenseits von Theben" zu spielen, konnte ich nun endlich einen Erfolg verbuchen und die Neuauflage von Queen Games einer kleinen Probe unterziehen. Es hat mir sehr gut gefallen. Die freundliche Erklärerin war fachkundig genug, um uns die Unterschiede zum "Original" aufzuzeigen, so dass ich nun einen gewissen Eindruck von den Schwierigkeiten der Vorversion habe und froh bin, mit meinem Kauf bis dahin gewartet zu haben. Das Spiel sieht einfach schön aus, der Zugmechanismus auf der Zeitleiste ist hinreichend innovativ ("Neuland" von eggertspiele fällt mir noch auf Anhieb ein, aber sonst?) und das Thema gefällt mir hinreißend gut. Archäologie ist zumindest nicht schon Dutzende Male in meinen Spieleregalen vertreten. Fazit: Mitgenommen.


"Deutschland - Finden Sie Minden!" von Günter Burkhardt, erschienen bei Kosmos

Beim Anlesen von "Deutschland - Finden Sie Minden!" mussten wir natürlich direkt an "Ausgerechnet Buxtehude" von Uwe Rapp und Berhard Lach, erschienen bei HUCH & friends, denken. Bei beiden Spielen geht es darum, mit meinem kaum vorhandenen Geographiewissen zu punkten. Während "Ausgerechnet Buxtehude" aber im Endeffekt eher als Bluffspiel verkauft werden kann, hat man bei "Minden" einen echten Vorteil, wenn man die Städte in Deutschland auf der Landkarte präzise einsortieren kann. Es gibt zwar auch eine Profiversion, wo die Plazierung der anderen Spieler angezweifelt werden kann, aber die haben wir in unserer ersten Partie nicht verwendet.

Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Jede Runde abschätzen zu müssen, wie sicher ich mir bei meinem Tipp bin, um vielleicht auch aus einem eher schlechten Verständnis der Städte und Gebiete unseres Landes noch einen einzelnen Punkt herauszuschlagen, bzw. durch viel Risiko auch mal das Vierfache an Punkten zu kassieren, reizt mich. Besonders aufgefallen ist mir, wie hilfreich die große, farbige Landkarte (auch genannt: der Spielplan) hier war. Durch die wenigen Referenzpunkte auf der Karte und ein wenig gesunden Menschenverstand kann man eine Menge raten. Fazit: Ich würde gerne die Variante mit dem Anzweifeln spielen, bevor ich mich zum Kauf entscheide, da reine Wissensspiele bei uns im Allgemeinen nicht so gut ankommen.


"Zeitalter der Entdeckungen" von Alfred Viktor Schulz, erschienen bei Phalanx

Dieses Spiel hat mich wirklich überrascht. Ich hatte im Vorfeld schon ein oder zwei positivere Bemerkungen gelesen, war von der Beschreibung aber alles andere als angetan. "Kartenablegespiel mit aufgesetztem Thema" war meine Befürchtung. Diese wurden glücklicherweise überhaupt nicht bestätigt. Spannende, nicht-offensichtliche (zumindest für uns im ersten Spiel) Entscheidungen in genau der richtigen Dosierung zeichnen diese Neuheit aus. Die Tatsache, dass jeder ein eigenes Bonuspunkteziel besitzt verlangt von jedem Spieler eine andere Fokussierung. Ich glaube erkannt zu haben (sicherlich nicht als Erster), dass dies dafür sorgt, das jeder anders an seine Züge herangehen muss und das Spiel auf diese Art und Weise spannend bleibt. Die umkomplizierten Regeln und die gute graphische Gestaltung machen "Zeitalter der Entdeckungen" zu meiner Entdeckung des Spielewahnsinns. Fazit: Direkt mitgenommen.


"Zooloretto" von Michael Schacht, erschienen bei Abacus Spiele

Schließlich haben wir dann auch noch einen Tisch mit "Zooloretto" gefunden. Hier handelt es sich bekanntlich um die Brettspielversion des Kartenspiels "Coloretto" aus dem Jahr 2003. Ich muss sagen, dass die Umsetzung hervorragend gelungen ist. Normalerweise bin ich solchen "Das Brettspiel nach dem Kartenspiel" gegenüber (ähnlich Peer) nicht besonders freundlich gestimmt. Meistens, wie zum Beispiel beim "Tanz der Hornochsen" von Wolfgang Kramer bringt mir das Brettspiel nicht genug neue Elemente mit, um den höheren Preis und den Regalplatz zu rechtfertigen. Hier ist das anders. Zwei neue Spielelemente (Geld und die Topologie der Gehege) ergänzen sich hervorragend mit dem aufgesetzten Thema. Diese haben ein nettes Absackerkartenspiel zu einem leichtgewichtigen und flotten Brettspiel aufgewertet. Mir gefallen speziell die zusätzlichen Möglichkeiten, die die Geldaktionen bieten, sehr gut. Sie haben eine neue taktische Ebene eingezogen, die im Kartenspiel einfach unpassend gewesen wäre. Fazit: Ein guter Spiel des Jahres-Kandidat. Wird sicherlich in einer meiner kommenden Bestellungen enthalten sein.


Weitere unsortierte Eindrücke

  • Die Lautsprecheranlage war viel zu laut. Besonders die Ansagen und Kommentare des scheinbar zur Zeit unvermeidlichen Pokerturniers waren kaum zu ertragen.
  • Die beiden Prototypen von eggertspiele haben wir uns von Tobias Stapelfeldt zwar kurz erklären lassen, mangels Zeit aber nicht mehr angespielt:
  • Einerseits war da das Spiel "Kuba", wo es um Warenproduktion, Rollen, Verschiffen und Gebäudebauten geht, klingt nicht nur so als habe es eine gewisse Ähnlichkeit mit Puerto Rico, es wurde uns auch noch sehr anlehnend erklärt. Könnte sehr interessant werden.
  • Andererseits sieht der dritte Teil von Mac Gerdts Rondell-Serie auch sehr vielversprechend aus. Kirchenbau in Hamburg. Der Clou für mich war hier, dass man sich im Laufe des Spiels ein Siegpunkteprofil durch Plättchen zusammen sammelt und diese irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt werten kann.
  • Wir hatten dann kurz vor Toresschluss noch eine sehr interessante Diskussion mit Günter Cornett über das satirische Spiel "War on Terror" von Terrorbull Games. Ich hatte die Regeln vor einiger Zeit schon mal im Netz gefunden und gelesen und würde das Spiel sehr gerne mal spielen. Besonders deswegen, um mir ein Bild davon machen zu können, ob hinter der provozierenden Fassade vielleicht sogar ein gutes Spiel steckt. Das habe ich aber noch nicht geschafft.
  • Ist es es wert zu erwähnen, dass ich von den in Herne gespielten Spielen jedes gewonnen habe? Vermutlich nicht, aber ich tue es trotzdem ...

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