11. April 2007

Bücher über Spiele

Brettspiele kann man nicht nur ganz phantastisch spielen, nein, man kann sich auch etliche Stunden lang in diversen Büchern über Spiele verlieren. Im Folgenden habe ich eine kleine Auswahl aus dem Abschnitt meines Bücherregals getroffen, der sich ausschließlich mit Spielen beschäftigt. Denn: Natürlich habe ich auch dazu was zu sagen. Ich hab' einfach eine Meinung zu allem. Jedoch beschreibe ich hier ausschließlich Bücher, die mir gut gefallen haben. Ich sehe keinen Sinn darin, in diesem Zusammenhang von einzelnen Büchern abzuraten. Wenn ein bestimmtes Werk also nicht in dieser Liste auftaucht, heißt das entweder, dass ich es nicht kenne oder dass ich es schlecht finde ;-)




Zunächst einmal der Klassiker: "Das Spiele-Buch" von Erwin Glonnegger gilt nicht umsonst als das Standardwerk für die Geschichte und Entwicklung von Brettspielen. Endlich wieder erschienen 1999 im Drei Magier Verlag in einer hervorragend bearbeiteten Neuauflage ist dieses Buch einfach eine Augenweide zum Schmökern oder ein großartiger Fundus von interessanten Informationen über die Ursprünge der ältesten Spiele der Menschheit bis hin zu neuzeitlichen Entwicklungen der letzten Jahre. Auf knapp 300 Seiten vermittelt Erwin Glonnegger, der bis 1985 insgesamt über 35 Jahre für den Ravensburger-Verlag tätig war, eine tiefgründige Liebe zum Detail für jedes der vielen Spiele. Ungezählte Photos vermitteln einen Eindruck von der Vielfalt, die die Welt der Brettspiele zu bieten hat. Ein tolles Buch.

In eine ganz andere Kerbe schlägt "Die große Humboldt-Enzyklopädie der Kartenspiele" von Hugo Kastner und Gerald K. Folkvord, erschienen 2005 bei Humboldt. Die Autoren haben in mühevoller Kleinarbeit ein lexikalisches Nachschlagewerk für die Kartenspiele der Welt zusammengestellt. Grob vorsortiert nach Typen wie Stich-, Sammel- oder Bluffspielen bietet das Buch auf über 500 Seiten zu jedem beschriebenen Kartenspiel einen kurzen Abriss über die jeweiligen Regeln und etliche Varianten. Bei vielen Spielen wird zudem kurz auf die Geschichte und (wo bekannt) die Entwicklung des jeweiligen Regelwerkes eingegangen und Verknüpfungen zu anderen Spielen im Buch nachgegangen. Anders als "Das Spiele-Buch" ist diese Enzyklopädie dafür kaum bebildert. Kleine Illustrationen helfen vereinzelt dem Verständnis der beschriebenen Regel nach, aber Photos findet man (ob des Themas "Kartenspiele" nicht unbedingt verwunderlich) kaum. Leider geht das Buch nur sehr am Rande auf die neuesten Entwicklungen der Kartenspiele in den letzten zwei Jahrzehnten ein. Die in diesem Buch beschriebenen Spiele sind ausschließlich mit einem französischen oder (alt-)deutschen Blatt spielbar sind. Hier hätte ich mir als Eurogamer zumindest einen kleinen Ausblick über den Tellerrand gewünscht. Trotzdem, Spiele wie "Tichu" oder auch "Werwölfe" sind enthalten, so sie sinnvoll mit "normalen" Spielkarten spielbar sind. Ein sehr empfehlenswertes Nachschlagewerk.

"Kartenspiel als Kunst" von Robert Abbott ist ein weiteres Standardwerk. Die deutsche Ausgabe von Willy Hochkeppel erschien 1975 bei Langewiesche-Brandt und später bei dtv. Das Büchlein beschreibt sehr ausführlich acht von Robert Abbott erschaffene Kartenspiele mit Standardkarten, die völlig anders sind als die zur Zeit der Erstauflage üblichen Kartenspiele. Einige der Spiele werden natürlich auch in der Enzyklopädie erwähnt und kurz erklärt, jedoch ist hier eine sehr viel ausführlichere Darstellung zu finden, die vor allem auch kurze Einblicke in mögliche Strategien oder Spielweisen gibt. Die Spiele dieses Buches standen in späteren Jahren vielen wichtigen Autoren zur Seite und haben sicherlich nicht nur "Zendo" (Korey Heath, Looney Labs) inspiriert.

Und noch eine Spielesammlung. "Jam Dudel" von Peer Sylvester, erschienen 2005 im Bambus Spieleverlag gibt als zentrales Thema "einfach losspielen" vor. Auf den knapp 120 Seiten werden sehr übersichtlich 30 gute bis hervorragende Spiele für Gruppen von 2 bis 100 Personen beschrieben. Dabei zeichnen sich alle Spiele dadurch aus, dass (bis auf wenige Ausnahmen) kaum Vorbereitungszeit notwendig ist und oftmals ein wenig Papier und einige Stifte als Spielmaterialien völlig genügen. Wichtig dabei ist, dass es sich nicht um Kinderspiele oder Großgruppen-Kennenlernspiele handelt. Peer Sylvester sagt selbst schon in seinem Vorwort, dass gerade zu diesen Themen hinreichend viele Bücher auf dem Markt angeboten werden. Es sind Spiele, die sowohl Erwachsenen als auch Jugendlichen viele spannende Runden versprechen. Mir selbst war das eine oder andere Spiel aus dieser Sammlung schon bekannt, eine so kompakte Übersicht und Zusammenfassung möchte ich aber nicht mehr missen und spreche daher eine unbedingte Empfehlung aus.

Sid Sackson hat in seinem Leben viele Bücher zum Thema "Spiele" veröffentlicht. Dabei waren so interessante Sammlungen wie "Beyond Competition" (pantheon books, 1977) aber auch das hervorragende "A Gamut of Games" von 1969, das 1981 als "Spiele anders als andere" bei Hugendubel nochmals auf deutsch verlegt wurde. Sid Sackson gilt als einer der profiliertesten Spieleerfinder der Neuzeit und war begeisterter Spielesammler. In "Spiele anders als andere" hat er eine sehr vielfältige Auswahl von Spielen aus seiner Feder und von anderen Autoren getroffen, die neben geringem Materialaufwand vor allem durch ihre Einfachheit begeistern. Varianten der ältesten Spiele der Menschheit wie "Mancala", dass hier in einer Version von Arthur und Wald Amberstone als "Schalen-Spiel" wiederaufersteht (und bspw. in der Brettspielwelt unter dem Namen "Bohnduell" Erfolge feiert) vermitteln ein rundes Bild. Dieses Buch war einer der ersten Titel zum Thema Spiele, die es in meinen Besitz geschafft haben. Es ist immer noch eines der Besten.

Wenn ich jedoch das Buch nennen sollte, das ich aus dieser Region meines Regals am häufigsten gelesen habe, so wäre das zweifelsohne "Kleine Philosophie der Passionen - Spielen" von Michael Knopf, erschienen 1999 bei dtv. Kein anderes Buch hat mir so glasklar vor Augen geführt, was in meinen Mitspielern vorgehen mag. Kein anderes Buch kam dem, was ich beim Spielen denke, so nahe. Michael Knopf hat in diesem kurzen Büchlein unmissverständlich klar gemacht, worum es ihm beim Spielen geht. Das Gewinnen. Diese Darstellung teile ich nicht in allen Punkten, aber sein Stil, seine Anekdoten, die Begeisterung für das Spiel, die förmlich aus seinen Zeilen quillt, reißen einfach mit. Eine phantastische Beantwortung der Frage: "Warum spielen wir?"

Ganz anders "Homo Ludens - Vom Ursprung der Kultur im Spiel" von Johan Huizinga, erschienen bei Rowohlt. Die Originalausgabe dieses philosophischen Werkes erschien 1938. Johan Huizinga geht die eben genannte Frage auf eine ganz andere, viel wissenschaftlichere Weise an, kommt aber zu sehr interessanten Ergebnissen. Er beschreibt in seinem Buch zwar nicht in erster Linie das Brettspiel, sondern gleichermaßen das Spiel von Kindern und Erwachsenen im Allgemeinen, legt aber sehr überzeugend dar, warum sich ohne die Lust zum Spiel weite Bereiche der menschlichen Kultur nie entwickelt hätten. Ich hatte beim Lesen des Buchs oftmals arge Probleme. Es ist, da ursächlich als geisteswissenschaftliche Abhandlung verfasst, nicht immer einfach zu verstehen. Meiner Meinung nach hat sich diese Mühe aber gelohnt. Für Spieler, die gerne mal über den Tellerrand hinwegschauen wollen, sicherlich eine empfehlenswerte Ergänzung der Bibliothek.

Der "Leitfaden für Spieleerfinder" von Tom Werneck, wieder erschienen 2007 bei Ravensburger (gerade eben in der 6. und überarbeiteten Auflage) ist das letzte Buch auf das ich heute eingehen möchte. Wie schon die beiden vorigen Werke fällt es insofern aus der Reihe als es ambitionierten Spieleautoren Hilfen und Tipps an die Hand geben möchte, wie diese ein Spiel entwickeln, testen und schließlich einem Verlag vorstellen können. Tom Werneck, der Gründungsmitglied der Jury "Spiel des Jahres" war, geht dabei in den hervorragend gegliederten und gut geschriebenen Kapiteln auf so wichtige Details ein wie die Notwendigkeit eines ausführlichen Spieltests mit unterschiedlichsten Spielgruppen und der Recherche der Spielidee. Schließlich widmet er der Entscheidung "Vorstellen bei einem Verlag" oder "Eigenproduktion", vor der viele Spieleentwickler irgendwann stehen, jeweils eigene Kapitel. Wenn ich irgendwann einmal ein Spiel erfinde, bin ich sehr froh dieses kleine Buch in meinem Schrank stehen zu haben.


Kurze Schlußbemerkung: Ja, das hat viel zu lange gedauert. Ich hatte eigentlich vor, hier regelmäßig zu schreiben. Diesen Vorsatz verfolge ich eigentlich auch immer noch. Manchmal jedoch kommt das wahre Leben (TM) und wirft einem Stöcke in den Weg. An den oder die Leser, die meinen RSS-Feed nicht schon längst wieder aus ihrem Reader gelöscht haben: Vielen Dank für die Treue. Ich hoffe auf Besserung.

1 Kommentar:

  1. Danke für die Empfehlung! Diese werde ich unbedingt lesen! Grüße!

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