27. April 2007

BattleLure - die süßeste Verführung

Ich gebe es zu, ich habe es immer noch nicht gespielt. Aber natürlich habe ich trotzdem eine Meinung zu "BattleLore" von Richard Borg erschienen 2006 bei Days of Wonder. BattleLore spricht ein paar meiner niedersten Instinkte an:

  • Es spielt in einem Fantasy- /verbrämten Mittelaltersetting
  • Es sieht unglaublich gut aus
  • Es ist sammelbar, erweiterbar und ausbaubar
Das sind alles schlimme Dinge. Noch vor 2 Jahren hätte ich längst die wehenden Fahnen gestrichen und wäre dem Spiel geifernd hinterher gelaufen. Dass ich es so lange (6 Monate?) geschafft habe, der Versuchung zu widerstehen, lässt mich hoffen, dass ich das Schlimmste überstanden habe.


BattleLore bietet eine ganze Menge. Das Spielsystem ist von Anfang an darauf ausgelegt, an Hand von unzähligen Szenarien und kleinen sowie großen Erweiterungen interessant zu bleiben. Schon im Grundspiel selbst sind im Szenarioband unterschiedlichste Herausforderungen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen zu finden. Dies sind bspw. rein "historische" Szenarien, also ohne jeglichen Einfluss von Magie oder Fantasyrassen bzw. später auch magisch angehauchte Schlachtaufstellungen, mit Zauberern, Priestern und Feuerbällen.

Gerade diese Variabilität empfinde ich persönlich leider aber auch schon als Nachteil. Bei einer so großen Anzahl von Spielen, die sich in meinen Spieleregalen tummeln, sähe ich keine Chance die Möglichkeiten der Box auszureizen. Ein weiterer, komplett persönlicher Nachteil von BattleLore ist die Beschränkung auf nur zwei Spieler. Es handelt sich zwar nicht um ein abstraktes 2-Personen Spiel, aber ich spiele einfach lieber mit mehreren Personen.

(Anmerkung: Ja, ich weiß. Es gibt eine Möglichkeit, mit mehreren Personen auf einer Seite sozusagen in Teams zu spielen. Das kenne ich auch schon von Memoir '44. Das meine ich aber nicht. Das ist einfach nicht dasselbe.)

Ich hoffe für Days of Wonder, dass dieses Konzept aufgeht. Mir persönlich bietet diese Herangehensweise jedoch zu wenig oder vielleicht gerade zu viel.

Warum schreibe ich trotzdem darüber? Weil mich die Idee natürlich dennoch fasziniert. Days of Wonder hat über mehrere Jahre hinweg dieses Spiel vorbereitet. Als Richard Borg mit der ersten Version dieses Spiels vorstellig wurde, war es für den Verlag einfach zu komplex. Eine zu mächtige Herausforderung. Zunächst wurde die Welt kleinen Schritten (Memoir '44 und die zugehörigen Erweiterungen) auf dieses Spiel vorbereitet und der Geldsegen durch den Titel "Spiel des Jahres" für Zug um Zug hat sicherlich auch nicht geschadet. Days of Wonder hat, wenn man die Entwicklung des Verlags über die Jahre hinweg betrachtet, durch immer opulentere Spiele viel Erfahrung gerade im Segment der überdurchschnittlich ausgestatteten Brettspiele erlangt. Dies wird nun durch BattleLore abgerundet.

Ein weiterer Grund für die ausgeübte Faszination ist die Tatsache, dass BattleLore endlich mal wieder einen Kontrapunkt zur Schnelllebigkeit des Spielemarktes zu setzen versucht. Wenn der Verlag seine Karten richtig ausspielt und auf lange Sicht auch neue Spieler an dieses System binden kann, wird sich das sicherlich lohnen. Viel zu viele Spiele verschwinden heutzutage nach wenigen Monaten schon wieder aus den Regalen. Natürlich deswegen weil sehr schnell gute und evtl. bessere Spiele nachkommen. Das ist ganz normal. Ein Spiel im Markt zu plazieren, das sich den Regalplatz mit kurzlebigen Exemplare wie Der Turmbau zu Babel, Mexica oder zukünftigen Spielen teilt, aber dennoch durch die geplante Kontinuität einen hohen Wiedererkennungswert besitzt, kann eigentlich nur von Vorteil sein.

Damit sich dieser Erfolg einstellt, muss es Days of Wonder jedoch tatsächlich schaffen, die Spieler der ersten Stunde bei der Stange zu halten und vor allem regelmäßig neue Spieler zu gewinnen. In welchem Maße das gelingt, bleibt abzuwarten. Probleme sehe ich da vor allem bei der Anfangsinvestition, die zukünftige Spieler bereit sind zu bezahlen. Wer in 5 Jahren in das BattleLore System einsteigt, möchte sicherlich nicht alle bisherigen Erweiterungen nachkaufen. Hier braucht es dringend eine gute Idee.

Ich werde BattleLore objektiv distanziert und vor allem interessiert weiterverfolgen. Vielleicht, ja, VIELLEICHT traue ich mich sogar irgendwann mal es zu spielen. Ohne Angst haben zu müssen, dieser süßen Versuchung zu erliegen.

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