9. Januar 2007

Podcasts, die die Welt bedeuten

Zunächst einmal wünsche ich allen Lesern (also DIR) ein frohes und spannendes Jahr 2007.

Ich bin in Sofia ganz hervorragend in das neue Jahr und in die EU gerutscht. Leider haben wir in diesem Urlaub nichts gespielt, so dass ich mir doch tatsächlich ein anderes Thema aus den Fingern saugen muss. Ich möchte also heute meine Meinung zu den in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossenen Podcasts der Spieleszene verbreiten.

Muss ich erklären, was ein Podcast ist? Ich glaube nicht. Dennoch ganz kurz: Ein Podcast ist eine Art Radioshow, die man aus dem Internet als Datei herunterladen kann, um sie auf seinem Computer, seinem MP3 Player oder der Stereoanlage zu hören.


Begonnen hat die Welt der Podcasts über Brettspiele im September 2004 mit der ersten Episode des BoardGameSpeak. Aldie und Derk (die Organisatoren hinter der Webseite BoardGameGeek.com) schnappten sich ein Mikro, eine Idee und eine Menge Elan. Den ersten Episoden merkt man den Zahn der Zeit noch arg an, aber später wurden die Beiträge richtig gut. Von vielen nachgeahmt, stellte BGS sein Erscheinen leider im Jahr 2006 ein.

Ein Klassiker ist jedoch immer noch das Interview mit Reiner Knizia [mp3]. Normalerweise (ich werde darauf noch eingehen) sind Interviews in diesem Medium nicht mein Ding, aber das war erstens eines der ersten und zweitens ein sehr gutes.



Einer der ältesten (und vielleicht etabliertesten) Podcasts, die ich noch regelmäßig höre ist der "Dice Tower" von Tom Vasel und Sam Healey. Tom hatte früher einen anderen Co-Moderator (Joe Steadman), der mir ein wenig besser gefallen hat, aber Sam ist schon in Ordnung. Die beiden ergänzen sich relativ gut. Tom, als sehr renommierter Reviewer und fast-schon-Berühmtheit in der Blogspieleszene, bringt eine große Menge fachlichen Wissens und Erfahrung in die Gespräche ein. Sam, auf der anderen Seite, stellt sich selbst als derjenige dar, der einfach nur spielen will. Der ganze Kram drum herum ist ihm, so hat es manchmal den Anschein, ein wenig suspekt.

Ein Feature, dass den Dice Tower auszeichnet, ist die Einbeziehung von eingeschickten Beiträgen. So hat beispielsweise Moritz Eggert (hier und hier) eine regelmäßige Kolumne, wo er über die neusten Gerüchte aus der deutschen Spieleszene berichtet, obskure Spiele vorstellt oder einfach mal eine Deutschstunde einstreut.

Andere spannende Beiträge sind für mich immer wieder die Top-10 Listen zu den unterschiedlichsten Themen und die tollen Verlosungen, bei denen ich aber leider noch nie etwas gewonnen habe.

In letzter Zeit ist der Dice Tower in meinen Augen qualitativ ein wenig abgefallen. Die Tatsache, dass sich ein langjähriger Korrespondent (Rick Thornquist) aus der Spieleszene zurückgezogen hat und die obligatorischen Interviews, die immer häufiger in der Playlist auftauchen, haben ihm nicht unbedingt gut getan. Und: Die Konkurrenz schläft nicht!



Als Konkurrenz ist zunächst einmal "The Spiel" von Stephen Conway und David Coleson zu nennen. Meiner Meinung nach DER Newcomer des vergangenen Jahres 2006. Stephen und David haben ihre Show seit der ersten Episode einer rigiden Struktur unterworfen, die nur durch Spezialausgaben (GenCON Report oder die Weihnachtsvorschlagsliste) durchbrochen wird. Die Abfolge jeder Show hält sich an ein Schema von fünf oder sechs Beiträgen die so banale Sachen wie "News & Notes" oder "Mailbag" umfassen, jedoch auch so herausragende Segmente wie "Truckloads of Goober" oder den schon mal von mir erwähnten "Game Sommelier".

In "Truckloads of Goober" wird in jeder Folge ein Spiel besonders gewürdigt, das sich durch besonders reichhaltiges, besonders ausgefallenes oder einfach besonders tolles Material auszeichnet. Bisher wurden dort Spiele wie Twilight Imperium III, Railroad Tycoon, Andromeda oder auch El Grande (wegen des Castillios) vorgestellt.

In "The Game Sommelier" stellen sich die beiden Autoren jede Woche gegenseitig eine Aufgabe. Es gilt für eine bestimmte Zielgruppe ein Set von fünf Spielen zusammenzustellen, die möglichst gut auf genau diese Gruppe abgestimmt sind.

The Spiel gefällt mir extrem gut. Die beiden sind gut aufeinander eingestellt, die Beiträge sind interessant und mit einem sehr freundlichen Humor garniert. Gut so.



In eine etwas andere Richtung geht Paul Tevis mit seinem "Have Games, Will Travel". Im vergangenen Jahr hatte er zwischenzeitlich einen etwas stärkeren Fokus auf Rollenspielen, verspricht seit diesem Jahr aber eine Rückkehr zu den Brettspielen. Das hält er zwar nicht besondern konsequent durch, aber: Auch die Episoden des vergangenen Jahres habe ich sehr gerne gehört. Paul ist ein freischaffender Autor von Rollenspielprodukten und Spielerezensent, der durch seine tiefgreifende Kenntnis der Rollenspielszene in den USA und seine wirklich gut formulierten Meinungen überzeugt.

Have Games, Will Travel hat den großen Vorteil, dass jede Episode des Podcasts direkt mit einem "Inhaltsverzeichnis" auf dem begleitenden Blog versehen ist. So hat der MP3 Download zwar keine Kapitel, jedoch kann man über den Timecode sehr einfach bestimmte Stellen und Segmente anspringen.

Paul hat keinen Komoderator und den Beiträgen merkt man an, dass sie meistens vorformuliert sind, er ist also nicht besonders spontan, dass ist bei dieser Qualität aber sicherlich kein Nachteil. Wenn er seinen Fokus, wie versprochen, wieder mehr in Richtung der Brettspiele verschieben würde, wäre es ideal.



Der einzige nennenswerte (mir bekannte) deutschsprachige Podcast ist der "Pöppelpod" von Stefan Franks. Noch relativ neu in der Szene (die erste Episode erschien kurz nach der Essener Spielemesse im Oktober 2006) hat er mich zwar noch nicht überzeugt, aber er ist zumindest ein Anfang. Mein Problem mit diesem Podcast ist die Tatsache, dass der Inhalt nahezu ausschließlich aus Interviews besteht. Das ist mir, ehrlich gesagt, zu wenig. Auf der Webseite gibt es ein Forum und einen Aufruf, sich mit Themenvorschlägen für das neue Jahr zu melden, woraufhin ich hoffe, dass das nicht alles gewesen sein kann.

Die Interviews haben leider zudem den Haken, dass sie bislang scheinbar ausschließlich auf der Spiel 2006 in Essen aufgenommen worden sind. Da es sich bei den Gesprächspartnern um den jeweiligen Autor, einen Verlagsvertreter oder sonstige mit dem Spiel direkt und eng verbundene Personen handelt, ist der kritische Inhalt nicht unbedingt reichhaltig. Wenn ich jedoch einfach mal nur ein paar Informationen über ein bestimmtes Spiel haben möchte, kann ich auch die Webseite des Verlags lesen.

Der Pöppelpod hat ein mit bis dato unbekanntes Gimmik. Man hat die Möglichkeit über eine Telefonnummer des deutschen Festnetzes die Episoden des Podcasts direkt per Telefon anzuhören. Das lohnt sich natürlich nur für Menschen mit einer entsprechenden Flatrate, für mich also nicht, ist aber ein tolles Angebot.



Dieser kurze Artikel kann natürlich nur einen winzigen Einblick in die Podcasts zum Thema Brettspiele bieten. Ich hoffe jedoch, dass ich ein oder zwei Punkte deutlich machen konnte:

1) Es gibt ein reichhaltiges Angebot von in erster Linie englischsprachigen Podcasts. Die deutsche Szene hat da noch ein wenig Nachholbedarf. Der Pöppelpod ist zwar ein Anfang, kann aber noch nicht das Ende sein. Ich hoffe dass sich in diesem Sektor 2007 noch etwas tut. Die Frage ist nur, ob die Anzahl an potentiellen Hörern ein solches Engagement rechtfertigt. Ich hoffe es, ich würde gerne einen weiteren deutschen Podcast auf meine Playlist setzen.

2) Ich finde Interviews als Podcasts langweilig. (Hat man das gemerkt?) Es interessiert mich nicht zum achten Mal die Antworten auf Fragen wie "Wann bist Du zum Spielen gekommen?" bzw. "Was waren Deine ersten Erfahrungen im Bereich des Spieleerfindens?" zu hören. Die Inhalte der Podcasts müssen auch ohne solche Krücken tragen, sonst lohnt es sich für mich nicht, sie anzuhören.


Zum Abschluss hier noch ein paar Links auf weitere Podcasts zum Thema:
  • Boardgames with Scott - Ein Videopodcast von Scott Nicholson wo in jeder Ausgabe ein spezielles Spiel intensiv vorgestellt und besprochen wird.
  • Garrett's Games & Geekiness - Doug Garrett (und seine Frau) unterhalten sich über Spiele.
  • Doug ist zudem der Host des unregelmäßig erscheinenden Boardgame Roundtable, wo sich ein unterschiedliche Gäste ausführlich über jeweils ein Spiel oder Thema unterhalten.
  • Boardgames To Go - Mark Johnson aus Kalifornien erzählt über seine Spiele und die Spiele mit der Familie.

Kommentare:

  1. Christian Brunner15. Januar 2007 um 17:01

    Dir auch ein gutes Neues!

    Dein Leser ;-)

    P.S. Podcasts finde ich unspannend.

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  2. Ich schon. Ergo: danke für den Beitrag. Kannte bisher nur BGS und Dice Tower - da hab ich jetzt einiges zu tun...

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