15. Dezember 2006

Hausregeln - lieber nicht

"Monopoly" ist vielleicht eines der besten Beispiele dafür, warum man besser ohne Hausregeln spielen sollte. Monopoly nach den offiziellen Regel gespielt ist zwar immer noch ein langweiliges Ding, aber es ist wenigstens nach ca. 2 Stunden vorbei. Mit den diversesten Hausregeln und "Verbesserungen", die in jeder Spielgruppe regelmäßig dazu gedichtet werden, wird es zu einem unerträglichen Moloch.

Meiner Meinung nach gibt es zwei grundsätzliche Typen von Hausregeln. Einerseits solche, die von einem engagierten Mitspieler eingeführt werden, weil dieser es entweder schon immer so gespielt hat oder aber, weil er das Spiel so für grundsätzlich besser hält. Andererseits solche Hausregeln, die gemeinsam von der Spielgruppe gebastelt oder verfasst werden, um ein mittelmäßiges oder gar schlechtes Spiel zu etwas Spielbarem zu machen. Beide Typen verfehlen komplett ihr Ziel.


Der beratungsresistente Mitspieler

Wenn mir ein Mitspieler erzählen will, dass ein Spiel mit dieser oder jener kleinen Regeländerung doch sooo viel mehr Spaß macht, frage ich mich zunächst, warum dem Autor oder der Redaktion des Spiels das nicht auch aufgefallen ist. Meistens findet sich dann recht schnell der Grund. Es stimmt nicht. Oft ist es einfach so, dass die Hausregel eine Unstimmigkeit vertuschen soll, die nur in der Wahrnehmung ihres Erfinders existiert oder im Group-Think seiner Spielgruppe begründet ist. Beispielsweise kann ich gar nicht mehr an einer Hand abzählen, wieviele Vorschläge für eine veränderte Adeligenendwertung in "Sankt Petersburg" (Michael Tummelhofer, Hans im Glück) ich schon gelesen habe. Warum? Das Spiel funktioniert sehr gut ohne irgendwelche Veränderungen. Wenn ein Spieler meint erkannt zu haben, dass er die universelle Strategie gefunden hat und diese nur und ausschliesslich durch seine tolle Hausregel korrigiert werden kann, zweifele ich zunächst einmal diese Strategie an. Ein sehr ähnliches, wenn auch kontroverser umstrittenes Thema ist das Zunfthaus in "San Juan" (Andreas Seyfarth, Alea). Auch hier: Besser nicht verändern, es reduziert meiner Meinung nach die Anzahl der möglichen Strategien.


Das eigentlich schlechte Spiel

Wenn ein Spiel von sich aus schon ein echtes Problem hat, man es aber unbedingt gut finden möchte, wird oft die Hausregel ausgegraben. Es gibt einige Spiele, die vermeintlich mit inoffiziell verfassten Regeln überhaupt erst spielbar werden. Als prominentestes Beispiel fällt einem natürlich sofort "Sid Meier's Civilization - The Board Game" von Glen Drover erschienen bei Eagle Games ein. Hier stellt sich mir jedoch die Frage: Warum? Warum sollte ich Zeit und Spaß in ein mittelmäßiges bis schlechtes Spiel investieren, um die Regeln zu "verbessern", nur weil der Verlag es nicht auf die Reihe gebracht hat? Gibt es keine anderen, besseren Spiele mehr? Bevor ich solche Spiele auf den Tisch bringe, stelle ich mir doch die Frage, ob es keine Alternativen gibt. Und die gibt es ganz sicher. In seinem Blog auf Spielbar.com hat Peer Sylvester Anfang Dezember von dem Reiz gesprochen, den diese Spiele manchmal dennoch auf den Betrachter ausüben. Sie reizen dazu, dass mit ihnen herumgespielt wird, dass sie verbessert werden, dass sie endlich zu etwas gemacht werden, dass Spaß macht.

Mir bleibt dieser Reiz verschlossen. Ich spiele lieber ein Spiel von dem ich weiß, dass es mir auch ohne zusätzliche Investitionen Spaß macht oder aber ein Spiel von dem ich noch überhaupt nichts weiß. Ja, ich bin ein Neuheitenjunkie.


Die Ausnahmen

Auch Ausnahmen sind selbstverständlich möglich. Diese beziehen sich jedoch auf völlig andere Themen bzw. Herangehensweisen. Wenn ein Spiel unter einem anderen Gesichtspunkt, zum Beispiel dem Blickwinkel eines potentiellen Autors "verbessert" wird, ist das nichts woran ich irgendetwas auszusetzen habe. Schliesslich wird dieser Autor mir in ein paar Jahren die Ergebnisse seiner Arbeit in Form einer neuen, frisch gedruckten Spieleschachtel auf den Tisch bringen. Jedoch müssen da alle Anwesenden drüber informiert sein und am selben Strang ziehen. Es geht dann eben nicht hauptsächlich um das Spielen und den Spaß am Spielen, sondern die Sichtweise des Autors schwingt im Hintergrund mit. Das ist wichtig.

Die zweite Ausnahme ist Doppelkopf. Das spielt man natürlich ohne Neunen.

1 Kommentar:

  1. Lächerlich....du verstehst den Sinn einiger Hausregeln bei Monopoly nicht. Einige Hausregeln sind dazu da weitere Features einzubringen z.B einen Geld Pott kreieren mit dem es noch viel mehr spaß macht ohne, dass das System verändert wird.

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