3. November 2006

Zwischenbemerkung: Meinungen statt Rezensionen

Für die, die es noch nicht gemerkt haben: Ich schreibe keine Rezensionen. Ich verfasse hier in diesem Blog auch keine Zusammenfassungen der Spielregeln. Ich habe in erster Linie nur Meinungen. Es gibt im Internet eine Reihe von vorzüglichen Webseiten, wo Menschen mit weit höherer Eloquenz sehr gute und spannend zu lesende Spielerezensionen veröffentlichen. Mit diesen Autoren kann und will ich mich gar nicht messen.

Hier in diesem Blog schreibe ich nahezu ausschließlich über eigene Spielerfahrungen und meine ersten, zweiten oder auch letzten Meinungen zu den gespielten Spielen. Dabei fließen natürlich teilweise auch die Ansichten meiner Mitspieler ein, denn kein Spiel kann ich genießen, wenn meine Mitspieler vor Langeweile von den Stühlen kippen. Was ich aber explizit nicht verfasse sind Rezensionen in dem Sinne, dass man nach dem Lesen ein Bild davon haben kann, wie das Spiel funktioniert. Nach dem Lesen dieses Blogs wird man nicht wissen, wie man Through the Ages spielt, aber ich kann hoffentlich vermitteln, dass es mir gefallen hat.

Für Rezensionen der ausführlicheren Sorte verweise ich gerne auf die meiner Meinung nach besten Sammlungen:

  • Auf spielbox.de werden im Forum in unregelmäßigen Abständen sog. PEEP (persönliche erster Eindruck Postings) veröffentlicht. Ein Service der Spieler für die Spieler. KMW, der Administrator der Seite, macht sich glücklicherweise regelmäßig die Mühe, diese Eindrücke zu sammeln und aufbereitet im Spielearchiv der Spielbox-Seite zu verlinken.
  • Auf luding.org werden ebenfalls in erster Linie "fremde" Rezensionen gesammelt. Luding ist eine deutsche Spielesuchmaschine, wo zu jedem eingetragenen Spiel erstens natürlich die wichtigsten Daten angezeigt werden, darüber hinaus jedoch auch Links auf die meisten deutschsprachigen und einige fremdsprachige Rezensionsseiten zu finden sind.
Ich denke, dass Meinungen in diesem Medium wichtiger sind als Zusammenfassungen der Spielregeln, die sowieso keiner liest. Für viele Spiele gibt es auf den Seiten der jeweiligen Verlage die Regeln zum Herunterladen, ausdrucken und selber lesen. Ich muss also nicht beschreiben, dass man in in "Funkenschlag" von Friedemann Friese, erschienen bei 2F Spiele jede Runde soundsoviele Kohle, Uran und Müll in den Rohstoffmarkt legt oder wie genau der Kraftwerksmarkt funktioniert. Viel interessanter finde ich, dass Funkenschlag ein sehr gut funktionierendes Wirtschaftsspiel ist, dass das Spiel gerade durch diesen Kraftwerksmarkt jedes Mal aufs Neue spannend ist und ich mich schon darauf freue, die beiden neuen Pläne, die ich auf der Spielemesse erworben habe (Benelux und Zentraleuropa), auszuprobieren.

Ein wirklich spannendes Element an Funkenschlag ist weiterhin das Manövrieren um die "beste" Spielerreihenfolge. Abhängig von der aktuellen Reihenfolge in der Anzahl der angeschlossenen Städte dürfen die Spieler entweder früher oder später ihre Rohstoffe kaufen, dürfen sie früher oder später neue Städte auf dem Plan anbinden oder Kraftwerke hinzukaufen. Dabei hat es sowohl Vorteile möglichst lange weit hinten zu sein als auch mal ab und an in erster Position zu sitzen. Dieses Taktieren schreckt einige Spieler ab, die der Meinung sind, dass es erstens unrealistisch ist und zweitens ein absurdes Spielgefühl aufkommen lässt. Das finde ich nicht. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass die hinten liegenden Spieler (egal ob sie sich selbst in diese Situation manövriert haben oder unfreiwillig abgeschlagen sind) meistens noch eine Chance haben nach vorn zu preschen. Die Herausforderung liegt darin, diesen Mechanismus zu Spielen.

Ist das unrealistisch? Vielleicht. Jedoch ist jedes Spiel, das ein wie auch immer geartetes Thema aufweist, eine Abstraktion. Kein Spiel kann (und will) in dem Sinne realistisch sein. Wenn dann, wie bei Funkenschlag, auch noch eine spannende Situation dabei herausspringt, bin ich zufrieden.

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