10. November 2006

Spielerterminologie: Alpha-Spieler

In den meisten (oder: zumindest allen, die ich kenne) Spielgruppen gibt es einen Alpha-Spieler bzw. eine Alpha-Spielerin. Das ist diejenige Person der Gruppe, die üblicherweise die wichtigsten Rollen der Gruppe in sich vereinigt. Dazu gehören, unter anderem, folgende Punkte:

  • Erwerb des Spielenachschubs: Meiner Erfahrung nach kauft in jeder Runde, die sich um einen Alpha-Spieler herum bildet, nicht jeder gleich viele Spiele. Der Alpha-Spieler ist meistens derjenige, der schon den größten Fundus ans Spielen zu Hause im Regal hat. Er ist derjenige, der die meisten Neuheiten erwirbt und er ist derjenige, der diese Neuheiten zum Spielen bereitstellt. Oft ist es dann so, dass andere Spieler der Gruppe selten bis keine Spiele kaufen, einfach auch nur deswegen, weil der Alpha-Spieler sowieso schon alles hat.
  • Auswahl der Spiele: Neben der Bereitstellung der möglichen Spiele ist es ferner eine Hauptaufgabe des Alpha-Spielers, die tatsächliche Spieleauswahl am Spieleabend mindestens zu koordinieren, wenn nicht gar eigenhändig durchzuführen. Die Gruppe verlässt sich dahingehend auf den Alpha-Spieler, dass er keine Spiele auswählen wird, die allgemeines Missfallen auslösen würden.
  • Erklärer der Spielregeln: Der Alpha-Spieler ist häufig derjenige, der die Spielregeln der zu spielenden Neuheiten im Voraus liest, versteht und dann der restlichen Gruppe erklärt. Nur in seltenen Ausnahmefällen (Heiserkeit?) wird sich ein anderes Mitglied der Gruppe bereiterklären, diese Aufgabe zu übernehmen, da der Alpha-Spieler diese Rolle natürlich auch genießt.
  • Aufseher über den Spielfluß: Schließlich ist der Alpha-Spieler auch meistens noch dafür zuständig für den geregelten Ablauf der Spielrunde zu sorgen indem er bspw. die korrekte Einhaltung der Regeln überwacht, unaufmerksame Mitspieler an ihren Zug erinnert oder einfach auch nur für Nachfragen und Regelauslegungen zur Verfügung steht.
Die Position des Alpha-Spielers einer Gruppe muss nicht immer sofort eindeutig besetzt sein. Meistens kristallisiert sich jedoch eine gewisse Gruppendynamik heraus, so dass es zumindest für einzelne der obigen Punkte offensichtliche Kandidaten gibt.




In dem Spiel "Wolfsspuren" von Dagmar Frei, Till Meyer und Nicole Stiehl erschienen bei Spieltrieb geht es um ein Wolfsrudel und dessen Überleben in der Wildnis. Jeder Spieler übernimmt dazu die Rolle von mehreren Wölfen des Rudels und versucht über mehrere Jahre hinweg innerhalb der Gruppe das größte Ansehen zu erlangen. Dabei ist es wichtig, sich jedes Jahr in ausreichendem Maße bei der Aufzucht der Jungen, der Großwildjagd und den Rangkämpfen innerhalb der Gemeinschaft zu stellen. Durch den Verlust von Ansehenspunkte kann ein Wolf aus dem Rudel ausgestoßen werden, wohingegen der Verlust von Stärkepunkten für eine körperliche Schwächung verantwortlich ist und sogar mit dem Tod des Tieres enden kann. Das Spiel hat zwar einen leicht erzieherischen Charakter (immerhin lernt man eine ganze Menge über Wölfe, die Autoren haben dabei eng mit Wolfsforschern und der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e. V. entwickelt. In einem Anhang der Spielanleitung gibt es zahlreiche Hinweise auf den Realitätsbezug der umgesetzten Regeln und viele Informationen zur Lebensweise von Wölfen.

Glücklicherweise ist aber auch ein wirklich interessantes und weitgehend sogar kooperatives Spiel enthalten. Wenn die Spieler nicht mindestens bei der Großwildjagd oder der Aufzucht der Welpen zusammenarbeiten, wird es für das Rudel insgesamt sehr schwierig, den Winter zu überleben. Insgesamt halte ich Wolfsspuren für ein sehr interessantes und schönes Spiel, das es aber bislang noch nicht in meinen Spieleschrank geschafft hat. Warum?

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