1. November 2006

Die Baumeister der Säulen ... oder so

Speziell der Samstag der Spielemesse war mir dieses Jahr eigentlich tatsächlich zu voll. Man merkte leider, dass die Schulferien in Nordrhein-Westfalen nicht in der Messewoche lagen. Das hatte zur Folge, dass am Donnerstag und Freitag teilweise sogar bei Kosmos, Ravensburger und Hans im Glück freie Tische zu bekommen waren, während sich die Spieler am Samstag fast tot getreten haben.

So ergab sich erst am Samstagabend eine Gelegenheit die Ravensburger Neuheit "Die Baumeister von Arkadia" mal ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen. Dieses neue Spiel von Rüdiger Dorn hat es mir angetan und es muss sich meiner Meinung nach in keinem Fall hinter dessen anderen Spielen wie Louis XIV, Emerald, Jambo oder vielleicht sogar Goa verstecken. Die interessante Mischung aus Bau- und Mehrheitenspiel hat mich besonders deswegen überrascht, weil sie im Verlagsprogramm von Ravensburger erschienen ist, einem Großverlag, der in den letzten Jahren eher mit leichterer Kost und gutmütigen Familienspielen von sich reden machte. (Jemand eine Partie Verflixxt! oder Celtica? Nein? Dachte ich mir ...)

Die Baumeister von Arkadia (Ravensburger)

Wie auch immer: Die Baumeister von Arkadia zeichnen sich durch eine ausgesprochen stimmungsvolle Ausstattung und einen sehr interessanten Wertungsmechanismus aus. Durch die Abgabe von einer der vier jedem Spieler zur Verfügung stehenden Marken oder Flaggen ruft man am Ende eines eigenen Zuges eine Wertung für seine bis zu diesem Zeitpunkt gesammelten Siegel aus. Jeder Spieler hat es also selbst in der Hand, wann er diese Wertungen einsetzt und (bei uns in der Partie auf der Messe geschehen) ob er evtl. sogar zu lange wartet und daher bei Spielende noch auf einer Flagge sitzen bleibt. Da man jedoch nur durch eine solche Wertung Arbeiter der eigenen Farbe in den Vorrat bekommt, möchte man eigentlich auch immer möglichst schnell werten, denn: Arbeiter sind knapp bemessen in diesem Spiel.

Der vermutlich direkteste Kontrahent um den Titel des interessantesten neuen Bauspiels auf der Messe für Arkadia ist wohl zweifelsohne "Die Säulen der Erde" von Michael Rieneck und Stefan Stadler, erschienen bei Kosmos. Sehr locker basierend auf dem gleichnamigen Roman von Ken Follet geht es hier um den gemeinsamen Bau einer Kathedrale im späten Mittelalter. Durch die Investition in Rohstoffe und Arbeiter und die Verwendung der Rohstoffe durch Handwerker erlangen die Spieler mehr und mehr Siegpunkte. Einige durchaus interessante Mechanismen haben dem Spiel auf der Messe großes Lob eingebracht. Auch ich war nach dem ersten Spiel erstmal sehr angetan. Wie und ob sich der Langzeitspaß einstellt, ist meiner Meinung nach jedoch noch nicht entschieden.

Die Säulen der Erde (Kosmos)

Die Frage steht im Raum, ob das Zufallselement der aus einem Stoffsäckchen gezogenen Baumeister, die die Reihenfolge der Besetzung der interessantesten Spielfelder für die aktuelle Runde bestimmt, nicht einen zu großen Einfluss hat. Demgegenüber steht die mehr oder weniger feste Reihenfolge, in der die Handwerker in jeder Partie ins Spiel kommen. Leider hat das Spiel auch keine Steuerungsmöglichkeiten für unterschiedliche Spieleranzahlen erkennen lassen. Ich finde es zwar durchaus attraktiv, wenn ein Spiel mit 2 Spielern komplett anders verläuft wie mit bspw. 4 Spielern (siehe Caylus oder Puerto Rico), jedoch birgt hier Säulen der Erde die Gefahr, dass die Zufälligkeit einen immer größeren Anteil am Spielgeschehen einnimmt. Das alles sind Aspekte, die mich zumindest vorsichtig werden lassen. Ich mag noch nicht so ganz in den großen Lobgesang auf die Säulen der Erde einstimmen.

Als drittes der großen Bauspiele dieses Jahres muss dann aber auch noch "Die Säulen von Venedig" von Knut Happel und Christian Fiore, erschienen bei Goldsieber erwähnt werden. Leider bin ich während der Messe nicht dazu gekommen eine Partie zu spielen, jedoch hatte ich Gelegenheit zumindest die Regeln zu studieren und ein oder zwei Partien zu beobachten. Das hervorstechende Merkmal an den Säulen von Venedig ist, neben dem hübsch anzusehenden Spielmaterial, der Mechanismus mit dem jede Runde Karten aus dem eigenen Vorrat ausgewählt und dann gleichzeitig aufgedeckt werden. Daraufhin werden die Karten (Pechtunker, Saboteur, Ratsherr, ...) der Spielerreihenfolge nach ausgeführt und die gespielte Karte im Anschluss an den jeweils linken Nachbarn weitergegeben. Dieses "blinde" Bieten um die besten Aktionen (Denkt er, was ich denke? Wenn ich x nehme und er hat y gewählt, gewinnt sie, jedoch nur, wenn sie z gewählt hat und er nicht x ...) erschien mir fast schon zu zufällig oder besser willkürlich. Ferner, da man nach jeder Aktion die gewählte Aktion seines rechten Nachbarn auf die Hand bekommt, kann es durchaus geschehen, dass man über längere Zeit hinweg bspw. keine Möglichkeit erhält wichtige Siegpunkte durch das Bauen von Stadtteilen zu erlangen, weil der Spieler vor einem einfach nicht bauen will. Alles in Allem bin ich noch nicht überzeugt. Es ist Goldsieber zwar hoch anzurechnen, dass sie mal wieder ein größeres Spiel produziert haben (Pecunia non olet ist bei uns im letzten Jahr komplett durchgefallen), aber bevor ich es mir ins Regal lege, muss ich es dringend ein oder besser zweimal spielen.

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