31. Oktober 2006

Spiel 2006 - Das Zentrum der Spielewelt

Vom 19. bis zum 22. Oktober 2006 war es wieder soweit. Die Spielemesse in Essen öffnete mir (und ca. 150 Tausend weiteren Besuchern) ihre Tore und präsentierte neue Spiele, Platz zum Spielen und unglaubliche Neuheiten. Wie in jedem Jahr stand ich bereit, um mit einem großen Rucksack und vielen Taschen meine viel zu geringen Reichtümer in den Rachen des Drachen zu werfen ... und über Möglichkeiten dazu kann ich mich nicht beschweren.

Jetzt sind zwei Wochen seit dem Schließen der Messe vergangen. Die Spiele sind alle ausgepöppelt und katalogisiert und ich denke es ist Zeit, ein kleines Resümee zu ziehen.

Was war das "Highlight des Jahres"? Meiner Meinung nach sticht kein Spiel wirklich aus der Menge heraus. Ich halte das für ein gutes Zeichen. Es zeigt mir, dass die Breite des Angebotes immer größer wird. Kleine Verlage, die schon in den letzten Jahren mit Achtungserfolgen auftraten, haben sich etabliert und die Großen holen im von mir bevorzugten Segment der Spiele für den Spieler wieder auf.

Zu meinen absoluten Favoriten der Messe zählt "Space Dealer" von Tobias Stapelfeldt, erschienen bei eggertspiele. Ein Spiel, das ich schon im Mai auf dem Herner Spielewahnsinn als Prototyp ausprobiert habe und auf das ich lange gewartet habe. Die endgültige Fassung überzeugt mich sowohl optisch als auch spielerisch. Die 2-4 Spieler haben jeweils ein Raumschiff und einen Startplaneten. Ihre Aufgabe ist es nun, durch Produktion von Rohstoffen und weiteren technologischen Fortschritten Siegpunkte für das Erfüllen von Nachfragen auf den Planeten ihrer Mitspieler zu erzielen. Das alles würde sich eher nach einem üblichen Aufbaustrategiespiel anhören, wenn da nicht die Sanduhren wären. Jeder Spieler besitzt zwei Sanduhren, die jeweils die Dauer jeder von ihm gewählten Aktion bestimmen. Das Bauen einer neuen Rohstoffmiene dauert eine Sanduhr, das Fliegen zu einem Nachbarplaneten dauert eine Sanduhr, die Erforschung eines neuen Fortschrittes dauer eine (oder auch mehrere) Sanduhr. Dieses Element gibt dem Spiel eine sehr interessante Dynamik, die zumindest ich bislang so noch nicht kannte. Da das Spiel nach genau 30 Minuten ein definiertes Ende findet, ist die Herausforderung also durch möglichst effiziente Lösung der durch das Spiel gestellten Aufgaben zu finden. Da jede Sanduhr einem durch die durchschnittlich 1-minütige Laufzeit eine gewisse Vorbereitungszeit gibt, ist Space Dealer zwar ein Echtzeitspiel, jedoch beileibe kein hektisches Spiel. Eine Eigenschaft, die mir sehr entgegen kommt. Eines der Highlights.

Als weiteres Spiel des aktuellen Messejahrgangs ist sicherlich "Through the Ages: A Story of Civilizations" von Vlaada Chvatil erschienen bei CzechBoardGames zu nennen. Das Spiel wurde schon vor der Messe großspurig als neuer Anwärter auf den Thron der Civilization-Nachfolger ausgerufen. Die Frage war nun, ob es diesem Anspruch gerecht werden kann. Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Es hat sicherlich eine Menge Potential. Jeder Spieler führt eine Zivilisation aus der frühen Antike durch die Wirren des Mittelalters bis in die Neuzeit. Dabei gilt es Fortschritte zu erlangen, Weltwunder zu bauen und dabei immer genug Nahrung für die eigene Bevölkerung bereit zu stellen. Das ganze Spiel arbeitet auf der Basis von Karten. Beim Auspacken des Kartons kommen einem eine zunächst unüberschaubar scheinende Menge von ca. 300 Karten entgegen. Diese teilen sich auf die 4 Zeitalter (Antike und Zeitalter I bis III) des Spiels auf und kommen auf diese Art und Weise nacheinander ins Spiel. Da das Spiel auf eine Landkarte als topologisches Element verzichtet, geschieht die gesamte Interaktion mit den Zivilisationen der anderen Spieler ausschließlich auf Basis dieser Karten. Ich befürchte, dass das auch direkt schon der massivste Kritikpunkt an Through the Ages sein könnte. Dadurch, dass man in seinen Plänen somit auf vielerlei Arten vom Auftauchen der verschiedenen Karten und dem Nachziehstapel abhängig ist, hoffe ich, dass das Spiel nicht unplanbar oder vorhersagbar wird. Ich bin mir aber noch nicht sicher, da ich leider noch nicht genügend Mitspieler für mehrere Probepartien gewinnen konnte. Anzumerken sei noch, dass die Regeln in drei Stufen in dem wirklich vorbildlichen Regelheft vorgestellt werden. Anfängern von Through the Ages wird das sog. "Simple Game" empfohlen, wobei nur bis zum Beginn des II. Zeitalters gespielt wird. Im darauf aufbauenden "Advanced Game" und dem noch komplexeren "Full Game" kommen dann jeweils weitere Aspekte hinzu, was andererseits Auswirkung auf die Spieldauer hat.


Im Laufe der nächsten Woche werde ich weitere Meinungen zu den Spielen der Messe formulieren und posten, jetzt muss ich aber erstmal auf einen Spieleabend. Astoria will gespielt werden.

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